In fünf Schritten zum Systemadministrator

Da heutzutage nahezu jedes Unternehmen auf einen stabilen IT-Betrieb angewiesen ist, besteht eine hohe Nachfrage nach kompetenten Systemadministratoren, die sich um die Wartung und Verwaltung von Computernetzwerken kümmern. Systemadministratoren haben heute den Status eines Superhelden, der den Geschäftsbetrieb aufrechterhält. Für den Job sind deshalb starke Nerven gefragt. Doch wenn Sie bereit sind, sich zum Systemadministrator zu qualifizieren, ist Ihnen der Erfolg sicher.
In diesem Artikel wird erläutert, wie Sie in fünf Schritten Systemadministrator werden. Sie erfahren, welche Kenntnisse Sie benötigen, welche Abschlüsse und Fertigkeiten Sie erwerben sollten und wie Sie bei der Stellensuche erfolgreich sind.

1. Schritt: Absolvieren Sie ein Studium und bauen Sie technisches Know-how auf.

Vielleicht denken Sie, ein Studium sei heute für eine Anstellung in der IT-Branche nicht mehr erforderlich. Doch weit gefehlt: Bei den meisten Arbeitgebern kommen Bewerber für den Posten des Systemadministrators nur dann in die engere Wahl, wenn sie einen Hochschulabschluss im IT-Bereich (z. B. in Informatik oder Elektrotechnik) und drei bis fünf Jahre Berufserfahrung nachweisen können. In einem Studium erwerben Sie die nötigen Grundkenntnisse: verschiedene Programmiersprachen, unterschiedliche Betriebssysteme und Netzwerkdienste sowie deren Funktionen, die Durchführung von Datenbank- und Systemanalysen, die einzelnen Schritte des Systemdesigns usw. Nutzen Sie die Möglichkeit, während des Studiums Praktika zu absolvieren. Sie können dabei wertvolle berufliche Kontakte knüpfen und bei einer späteren Bewerbung wichtige Praxiskenntnisse vorweisen.
Da sich Technologien jedoch schneller ändern als die Lehrpläne von Hochschulen, müssen Sie sich kontinuierlich weiterbilden, wenn Sie Systemadministrator werden möchten. Halten Sie sich über neue Trends auf dem Laufenden: Welche Betriebssysteme und Anwendungen setzen sich am Markt durch? Welche neuen Methoden gibt es, um Hard- und Softwareprobleme effizient zu beheben? Und welche Bedrohungen gefährden die Netzwerksicherheit? Lesen Sie Branchenmagazine und Marktstudien, stellen Sie Fragen in den einschlägigen Foren oder tauschen Sie sich mit System- und Netzwerkadministratoren aus – es gibt unzählige Möglichkeiten, das eigene Wissen zu vertiefen. Und glauben Sie mir: Es macht außerdem Spaß!

2. Schritt: Absolvieren Sie zusätzliche Kurse zur Qualifizierung als Systemadministrator.

Wenn Sie Ihr Know-how erweitern und zusätzliche Qualifikationen erwerben möchten, empfehlen sich IT-Zertifizierungen während des Studiums oder nach dem Abschluss. Solche Zertifizierungen sind freiwillig, doch für viele Arbeitgeber ein weiterer Grund, Ihre Bewerbung zu berücksichtigen. Mit relevanten Zertifikaten eignen Sie sich nicht nur umfassendes Wissen zur Entwicklung und Verwaltung von Computersystemen an, sondern verbessern auch Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt und profitieren von einer größeren Auswahl an Stellen.
Es gibt eine Vielzahl interessanter Zertifizierungen, von denen wir Ihnen drei empfehlen möchten:

Zertifizierung „Microsoft Certified Solutions Associate“ (MCSA)

Die Zertifizierungen von Microsoft sind für drei Stufen verfügbar:

  • MTA (Microsoft Technology Associate): Richtet sich an Anfänger, die sich einen Überblick über grundlegende technische Konzepte verschaffen möchten
  • MCSA (Microsoft Certified Solutions Associate): Richtet sich an Fortgeschrittene, die über grundlegende technische Kenntnisse verfügen und sich für einen Einsteigerjob bewerben möchten
  • MCSE (Microsoft Certified Solutions Expert): Richtet sich an erfahrene IT-Experten, die zusätzliche Kenntnisse zur Entwicklung innovativer Lösungen für lokale und cloudbasierte Umgebungen erwerben möchten

Nach dem Abschluss Ihres Studiums empfehlen wir, die MCSA-Kurse zu absolvieren, da sie Wissen zu den neuesten Technologien für Unternehmensanwendungen, Cloud-Plattformen, Datenmanagement, Analysen, mobile Lösungen (BYOD) und Produktivität vermitteln. Zwar richten sich diese Kurse nicht speziell an Systemadministratoren, doch können Sie darin wichtige Kenntnisse zum Design und zur Entwicklung von Lösungen auf Basis von zentralen Microsoft-Technologien wie Windows Server erwerben.
Im Anschluss an den Kurs müssen Sie zwei oder drei Prüfungen absolvieren. Als Nachweis, dass Sie sich über aktuelle Technologien auf dem Laufenden halten und Ihre Kenntnisse kontinuierlich vertiefen, müssen Sie entweder einmal jährlich eine weitere Prüfung absolvieren oder zusätzliche Kurse belegen.

Zertifizierung „LPIC-1 Certified Linux Administrator“

Wenn Sie Ihr Linux-Wissen testen oder sich für dieses Betriebssystem spezialisieren möchten, empfiehlt sich die Zertifizierung „LPIC-1“. Sie ist die erste Zertifizierung eines mehrstufigen Programms des Linux Professional Institute. Sie erhalten eine Einführung in die Systemadministration und lernen, wie Sie grundlegende Wartungsaufgaben über die Befehlszeile ausführen, Computer unter Linux installieren und konfigurieren sowie einfache Netzwerkeinstellungen vornehmen.
Für die Zertifizierung müssen Sie zwei Prüfungen bestehen. Sie gilt für einen Zeitraum von fünf Jahren. Für die erneute Zertifizierung müssen Sie die Prüfungen nochmals absolvieren oder vor Ablauf der fünf Jahre weitere Zertifizierungen abschließen.

Zertifizierung „CompTIA Server+“

Die gemeinnützige Organisation CompTIA führt anbieterunabhängige IT-Zertifizierungen durch. Die Zertifizierung „CompTIA Server+“ setzt ein umfangreiches Wissen voraus. Sie benötigen 18-24 Monate Berufserfahrung im Bereich Serverhardware und -software. Der Kurs vermittelt detaillierte Kenntnisse in sieben zentralen Bereichen: Serverarchitektur (Konfiguration und Support von Serverkomponenten), Serveradministration (Verwaltung und Wartung von Servern), Speichersysteme (Unterstützung von Speichergeräten), Sicherheit (physische Sicherheitsvorrichtungen und Netzwerksicherheitsverfahren), Netzwerk (Konfiguration von Systemen für die Netzwerkanbindung), Disaster Recovery (einschließlich Datensicherungsmethoden) und Behebung zahlreicher Probleme von der Hardware bis zur Sicherheit.
Für die Zertifizierung müssen Sie eine 90-minütige Prüfung bestehen. Das Zertifikat ist unbegrenzt gültig.
Neben diesen drei Beispielen gibt es noch eine Vielzahl weiterer IT-Zertifizierungen. Für die Arbeit mit Red Hat Enterprise Linux-Umgebungen empfiehlt sich beispielsweise die Zertifizierung „Red Hat Certified System Administrator“. Weitere Informationen zu anderen Zertifizierungen, die für die IT-Branche relevant sind und sich direkt auf Ihr Gehalt auswirken, finden Sie in diesem Blog.

3. Schritt: Verbessern Sie Ihre soziale Kompetenz.

Welche Fähigkeiten muss ein guter Systemadministrator mitbringen? Neben technischem Know-how zu Windows- oder Linux-Umgebungen und Kenntnissen zu Aufgaben wie Datensicherung muss er gut mit Menschen umgehen können und benötigt daher auch soziale Kompetenz.
Da der Systemadministrator bei Netzwerkproblemen der erste Ansprechpartner ist, sollten Sie belastbar sein und auch in stressigen Situationen die Ruhe bewahren. Sie sollten außerdem gute Fähigkeiten in den Bereichen Problemlösung und Zeitmanagement und ein gutes Urteilsvermögen besitzen und in der Lage sein, Probleme schnell und effizient anzugehen.
Sehr wichtig sind auch gute Kommunikationsfähigkeiten, da Sie bei Ihrer Arbeit immer wieder Ideen vorschlagen, Ihre Ziele und Erwartungen für Projekte formulieren und Mitarbeiter im verantwortungsbewussten Umgang mit IT-Ressourcen schulen müssen. Ein guter Systemadministrator ist insbesondere in der Lage, auch Menschen ohne IT-Kenntnisse komplexe Sachverhalte zu vermitteln. Sie wissen, wie man komplizierte oder wichtige Themen und Botschaften erfolgreich kommuniziert. Ein Beispiel: Sie müssen einem Mitarbeiter erklären, warum das Kennwort „Qwertz“ keine ausreichende Sicherheit bietet. Sie könnten nun darauf hinweisen, dass die Tastenfolge „Qwertz“ vorhersehbar und daher langweilig ist. Doch wer mag schon Menschen, die vorhersehbar und langweilig sind? Genau: keiner! Mit Ausnahme von Hackern, die sich damit einfach Zugriff auf Ihre Systeme verschaffen können. Seien Sie kreativ, wenn Sie mit Anwendern reden!
Manche Menschen können Sie in den Wahnsinn treiben, ohne es zu beabsichtigen. Bleiben Sie ganz entspannt und sehen Sie sich dazu dieses Video von Lenovo an.

Denken Sie stets daran, dass es in jedem Unternehmen unachtsame Anwender gibt und Sie mit diesem Problem nicht alleine sind.

4. Schritt: Suchen Sie sich eine Stelle als Systemadministrator.

Bevor Sie sich für eine Vollzeitstelle bewerben, können Sie auch im Rahmen von Praktika oder Teilzeitstellen erste Erfahrungen sammeln. Sie können zunächst einfachere Aufgaben im Helpdesk oder technischen Support übernehmen, um Ihr theoretisches Wissen in der Praxis anzuwenden. Praxiserfahrungen sind das beste Mittel, um sein Know-how zu vertiefen.
Wenn Sie Ihr Theoriewissen um praktische Kenntnisse ergänzt haben, können Sie sich für eine Einsteigerposition als Systemadministrator oder Netzwerkadministrator bewerben. Die beiden Rollen überschneiden sich häufig. Viele Arbeitgeber suchen Kandidaten mit mindestens drei bis fünf Jahren Berufserfahrung, doch vielleicht können Sie sich auch Ihre Ausbildung und Ihre Praktika auf diese Zeiten anrechnen lassen. Nutzen Sie die Kontakte, die Sie in der Praxis geknüpft haben. Die einfachste Methode, eine Anstellung zu bekommen, ist noch immer ein gutes berufliches Netzwerk. Sie können auch über LinkedIn, Monster oder Indeed nach geeigneten Stellen suchen, die Ihren Kenntnissen und Gehaltsvorstellungen entsprechen. Wenn Sie sich gut mit einem bestimmten Betriebssystem auskennen oder über eine bestimmte Zertifizierung verfügen, sollten Sie in Ihrer Bewerbung darauf verweisen.
Bei der Entscheidung für ein großes oder ein kleines Unternehmen sollten Sie sorgfältig abwägen. In kleinen Unternehmen können Sie vermutlich besser Erfahrungen sammeln, da sie meist über wenig Budget und Personal verfügen. Dadurch sind Sie gefordert, an mehreren parallelen Projekten zu arbeiten, und lernen, wie Sie viele Dinge gleichzeitig erledigen. So sind Sie gezwungen, auch Ihre Kenntnisse im Bereich Automatisierung zu vertiefen. Mit der Entscheidung für ein Großunternehmen laufen Sie Gefahr, nur für einen kleinen Bereich verantwortlich zu sein, der wenig abwechslungsreich ist und Ihnen kaum Möglichkeiten bietet, Erfahrungen zu sammeln.

5. Schritt: Halten Sie Ihr Wissen stets auf dem neuesten Stand.

Auch wenn Sie eine Anstellung gefunden und nicht mehr in Google nach „Wie werde ich Sysadmin“ suchen müssen, ist Ihr Weg noch nicht zu Ende. Sie müssen sich kontinuierlich weiterentwickeln und am Ball bleiben, was neue Technologien betrifft. Die technische Entwicklung schreitet rasch voran. Sie können Mitglied in einem beruflichen Netzwerk wie der League of Professional Systems Administrators (LOPSA) werden, die das Ziel verfolgt, den Beruf des Systemadministrators zu fördern und die Öffentlichkeit über das Berufsbild zu informieren. Die LOPSA bietet sehr gute Schulungs- und Netzwerkmöglichkeiten im Rahmen von Online-Events und stellt zahlreiche Informationen über Slack, RSS-Feeds und E-Mail-Verteiler zur Verfügung.
Eine weitere wertvolle Informationsquelle für Systemadministratoren ist Spiceworks, eine riesige internationale Community für alle, die sich für die Entwicklung der IT-Branche interessieren. Wir empfehlen, die Beiträge der Community-Mitglieder zu lesen, da sie oftmals sehr hilfreiche Informationen und objektive Produktbewertungen enthalten. Informationen finden Sie außerdem in Microsoft Technet und Reddit, wobei Sie in Reddit unzählige irrelevante, doch mitunter sehr lustige Diskussionen durchforsten müssen. Sie sollten dieser Community daher keinen Besuch während der Arbeitszeit abstatten.
Lassen Sie uns bitte wissen, ob diese Erläuterung der Schritte auf dem Weg zum Systemadministrator für Sie hilfreich waren. Und verraten Sie uns in den Kommentaren gerne auch Ihre eigenen Tipps!

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